Kategoriearchiv: RVG-Rätsel

Lösung zu: Ich habe da mal eine Frage: Erstattet die Staatskasse auch die Gebühren für die Adhäsion?

© haru_natsu_kobo Fotolia.com

Und hier kommt dann die/meine Lösung zu: Ich habe da mal eine Frage: Erstattet die Staatskasse auch die Gebühren für die Adhäsion?.

„Moin, ich denke, dass man derzeit dem Bezirksrevisor nicht viel entgegen setzen kann.

Schon mal in § 472a StPO geschaut? M.E. fehlt derzeit eine Kostengrundentscheidung zu Gunsten des Angeklagten. War die Gegenseite Nebenkläger?

Und dann habe ich noch den OLG Brandenburg, Beschl. v. 24.01.2022 – 1 Ws 108/21 (S) –  – und den Hinweis auf Burhoff/Volpert, RVG Straf- und Bußgeldsachen, 7. Aufl. 2025 Nr. 4143 VV Rn 47 ff.“

Und dann ist es noch ein wenig hin und her gegangen:

Fragesteller:

„Vielen Dank schon mal. Nein, es war keine Nebenklage, es ging um Untreue. Ich hatte beides schon angesehen; 472a StPO, meine ic,h passt insoweit nicht, als der Adhäsionsantrag tatsächlich ja nicht anhängig war – und in Abs. 2 S. 2 geht es ja um gerichtliche Auslagen – da fällt vermutlich die 4143 VV RVG nicht drunter. In der Entscheidung OLG Brandenburg gab es keinen Freispruch sondern ich hatte es so verstanden, dass es dort um den alten Streit geht, ob es die 4143 VV RVG als Pflichtverteidiger gibt. Ich werde mir das aber später nochmal im Detail ansehen, inwieweit da Paralellen sind.

In meiner Sache lagen jedenfalls die Voraussetzungen für PKH nicht vor.

Ich:

„Eben, ich sehe keine Grundlage für eine Kostengrundentscheidung. Die wird in § 472a StPO für das Adhäsionsverfahren geregelt und einer der dortigen Fälle liegt nicht vor.

Gegenfrage: Warum soll die Staatskasse mit den Auslagen im Adhäsionsverfahren belastet werden? Sie hat doch damit nichts zu tun.

OLG Brandenburg ist übrigens nicht die Pflichtverteidigungsproblematik.“

Fragesteller:

Nun, man könnte schon argumentieren, dass es ohne das Strafverfahren für ihn nicht notwendig gewesen wäre, sich insoweit anwaltlicher Hilfe zu bedienen. Natürlich kann man auch sagen, da hat ja die Staatskasse nichts mit zu tun. Ich werde mir das Urteil noch mal gründlich ansehen.“

Ich:

„sicher, aber dann ist es aber immer noch eine Entscheidung des vermeintlichen Geschädigten, ob er Ansprüche geltend machen will. Unterschied Strafrecht – Zivilrecht.

Beantragen Sie doch einfach bei der Kammer eine Entscheidung zum „Adhäsionsverfahren“. Vielleicht haben Sie ja Glück und bekommen eine für Sie günstige.“

Ich bin gespannt…..

 

Ich habe da mal eine Frage: Erstattet die Staatskasse auch die Gebühren für die Adhäsion?

© AllebaziB – Fotolia

Und dann habe ich hier noch die Gebührenfrage, mal wieder aus der Strafverteidigergruppe:

„Der gebührenrechtliche Alptraum des Verteidigers – Der Freispruch.

Folgende Situation: Ich war Wahlverteidiger, der Mandant wurde freigesprochen. Die Gegenseite hatte konkret einen Adhäsionsantrag in Aussicht gestellt, den aber letztlich doch nicht gestellt.

Nach meiner Prüfung ist bei mir die Gebühr angefallen. Ich habe sie (natürlich) angemeldet und der Bezirksrevisor hat (natürlich) gesagt, dass die niemals/nicht von der Staatskasse zu tragen sei. Der Tenor lautet: „Der Angeklagte wird auf Kosten der Staatskasse, die auch seine notwenigen Auslagen trägt, freigesprochen.“

Was kann ich dem Bezirksrevisor entgegenhalten?“

Lösung zur letzten Frage: Trägt die Landeskasse auch die notwendigen Auslagen des Adhäsionsverfahrens?

© haru_natsu_kobo Fotolia.com

Am „letzten Freitag“ 🙂 hatte ich die Frage gestellt: Ich habe da mal eine Frage: Trägt die Landeskasse auch die notwendigen Auslagen des Adhäsionsverfahrens?.

Darauf hatte ich zunächst geantwortet:

„Moin,

danke. Vorab eine Bitte: Solche Anfragen nach Möglichkeit bitte per Mail, das kann man einfacher und schneller lesen.

Zur Sache: M.E. lässt sich beides vertreten.

Man kann sich auf den Standpunkt des Bezirksrevisors stellen und sagen: Die Kosten und notwendigen Auslagen des Adhäsionsverfahrens sind dem Adhäsionskläger auferlegt worden und damit nicht der Staatskasse, was ja auch der insoweit vorliegenden grundsätzlichen Regelung in § 472a Abs. 2 Satz 1 StPO entsprechen dürfte.

Man kann sich aber auch auf den Standpunkt stellen, die Kosten und Auslagen des Adhäsionsverfahrens sind auch der Staatskasse auferlegt worden, weil die Entscheidung insoweit keine Ausnahme macht. Allerdings: § 472a Abs. 2 Satz 1 StPO sieht nur die Belastung der Staatskasse mit den gerichtlichen Auslagen vor, nicht auch der notwendigen Auslagen. Daher dürfte das eher nicht passen.

Fragen:

  1. Ergibt sich ggf. etwas aus der Begründung der Kosten- und Auslagenentscheidung, was man zur Auslegung verwenden könnte?
  2. Warst du ggf. Pflichtverteidiger. Dann bliebe dir ja zumindest die Nr. 4143 VV RVG als gesetzliche Gebühr. Ist zwar ggf. weniger als die Wahlanwaltsgebühr, aber immerhin.

Die „Bitte vorab“ bezog sich auf den Weg, über den die Anfrage gekommen ist. Das war der Messenger. Das mag ich nicht so 🙂 .“

Der befreundete Kollege hat dann geantwortet:

„Vielen Dank für deine Hinweise! Stimmt, per E-Mail ist es übersichtlicher.

Die PV-Gebühren habe ich bekommen. Allerdings ist die Differenz bei einem Wert von 50.000 Euro nicht ganz unerheblich. Ich hatte vor einiger Zeit mal ein Verfahren, da enthielt das Urteil überhaupt keine Kostenentscheidung zum Adhäsionsantrag und da lief der Festsetzungsantrag mit dem Segen des Bezirksrevisors glatt durch. Zur Kostenentscheidung heißt es im Urteil nur, dass sich diese aus den §§ 467, 472a StPO ergeben würde.

Die Wege der Staatskasse sind unergründlich.

ich denke, dass mit der Begründung (?) der Kostenentscheidung es nach der von mir angenommenen zweiten Varianten geht.

Was spricht dagegen, es dennoch zu versuchen?“

Es spricht natürlich nichts dagegen, es „dennoch zu versuchen.“, denn nur ei „Versuch macht kluch.“ Das wird der Kollege dann auch tun und seine Sicht der Dinge mit der Gesamtschuld darlegen und dann wird/kann das AG entscheiden. Und einer – entweder der Kollege oder der Bezirksrevisor – wird dann Rechtsmittel einlegen und wir werden zu der Frage etwas vom LG hören. Und das „melde“ ich dann hier.

Ich habe da mal eine Frage: Trägt die Landeskasse auch die notwendigen Auslagen des Adhäsionsverfahrens?

© AllebaziB – Fotolia

Und bei der Gebührenfrage habe ich heute folgendes Problem, das an mich herangetragen worden ist:

„Moin!

Ich hätte da mal wieder ein gebührenrechtliches Problem.

Der BezRev des AG pp. will mich ärgern. Das AG hat freigesprochen und wie folgt tenoriert:

„Die Angeklagten … werden auf Kosten der Landeskasse, die auch die notwendigen Auslagen zu tragen hat, freigesprochen. Von einer Entscheidung über den Adhäsionsantrag wird abgesehen. Die Kosten des Adhäsionsverfahren einschließlich der diesbezüglichen notwendigen Auslagen der Angeklagten hat der Adhäsionskläger zu tragen.“

Der BezRev meint daraus nun folgendes schließen zu dürfen:

„lm Verfahren auf Erstattung der notwendigen Auslagen des Angeklagten G gegen die Landeskasse nicht zu berücksichtigen ist die mitbeantragte Gebühr für das Adhäsionsverfahren nach KV Nr. 4143 VV RVG. Die Kosten und notwendigen Auslagen des Adhäsionsverfahrens sind im Urteil nicht der Landeskasse, sondern dem Adhäsionskläger auferlegt worden, eine Festsetzung gegen die Landeskasse scheidet daher aus.“

Ich halte diese Auslegung für falsch. Meiner Meinung nach sind die notwendigen Auslagen des Adhäsionsverfahrens hier sowohl der Landeskasse als auch dem Adhäsionskläger auferlegt worden, quasi als Gesamtschuldner.

In der Kommentierung bin ich nicht fündig geworden. Wie denkst du darüber? Besten Dank vorab und viele Grüße!“

Lösung zu: Ich habe da mal eine Frage: Gibt es eine Möglichkeit des Verteidigerwechsels?

© haru_natsu_kobo Fotolia.com

Am Freitag hatte ich die (eher allgemeine) Frage: Ich habe da mal eine Frage: Gibt es eine Möglichkeit des Verteidigerwechsels? – hier zur Diskussion gestellt.

Darauf hatte bereits eine Kollegin geantwortet: „Ja, wenn alle Beteiligten einverstanden sind und irgendeiner auf doppelt entstandene Gebühren verzichtet.“

Und ich habe dann wie folgt „nachgelegt:

„Das wird wahrscheinlich nur – siehe Kollegin pp. – über eine konsensuale gebührenneutrale Umbeiordnung erfolgen können. Kommt natürlich ein wenig auf die Einzelheiten der Art und Weise des „Vorschlags“ an. Warum will er den vorgeschlagenen Pflichtverteidiger nicht mehr? Ich würde also ggf. zu dem Vorschlag vortragen und vielleicht auch zur Zerrüttung des Vertrauensverhältnisses, wenn sich da etwas anbietet.

Vorsicht bei den Gebühren:

Im Strafvollstreckungsverfahren entsteht ja ggf. nur eine Verfahrensgebühr. Auf die müssten im Zweifel Sie verzichten, mit der Folge, dass Sie für „lau“ arbeiten würden. Wenn sich allerdings ein Beschwerdeverfahren anschließt, würde ggf. zumindest die Beschwerdeverfahrensgebühr entstehen.“