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Gestern im Bundesrat: teures Handy, teure Rettungsgasse, teure Raser und Live aus dem Gericht usw.

entnommen Wikimedia.org
By The Government of Germany –

Gestern hat die letzte Bundesratssitzung der 18. Legislaturperiode stattgefunden. In der hat der Bundesrat vor der morgigen Wahl zum 19. Bundestag schnell das noch verabschiedet/gebilligt, was der Bundestag in seinen Marathonsitzungen zum Ende der Legislaturperiode bzw. die Bundesregierung (Herr Dobrindt 🙂 ) noch auf den Weg gebracht hat bzw. meinte, auf den Weg bringen zu müssen. Darunter sind dann auch einige Gesetze/Verordnungen, die Themenbereich des Blog betreffen. Auf die wesentlichen Änderungen/Neuerungen will ich hier heute kurz eben hinweisen, ohne dabei allerdings in die Einzelheiten zu gehen.

  • Im Gespräch war seit längerem schon ein BuĂźgeld, wenn im StraĂźenverkehr bei Unfällen usw. keine Rettungsgasse gebildet wird. Das hat man jetzt eingefĂĽhrt. Danach mĂĽssen KraftfahrzeugfĂĽhrer, die fĂĽr Polizei- und Hilfskräfte keine Rettungsgasse bilden, mit einer GeldbuĂźe bis zu 240 € rechnen. Kommt es darĂĽber hinaus zu einer weiteren Behinderung, Gefährdung oder Sachbeschädigung, kann die GeldbuĂźe bis zu 320 € betragen. AuĂźerdem droht ein einmonatiges Fahrverbot.
  • Erweitert/geändert worden ist dann (endlich) auch das Handyverbot am Steuer (vgl. dazu schon Mobilfunkparagraf IV, oder: Dobrindtscher Irrsinn 3.0 ==> es kommt nicht mehr auf die Sekunde an). Die BR-Drucks. 556/17 ist mit geringfĂĽgigen Ă„nderungen (vgl. BR-Drucks. 556/1/17) beschlossen worden. Das bedeutet:
    • Wir haben in § 23 Abs. 1a StVO demnächst also die “technikoffene Formulierung”, welche Geräte zulässig sind oder nicht. Sinn und Zweck ist es, dass sich FahrzeugfĂĽhrer während der Fahrt grundsätzlich nicht durch Informations-, Kommunikations- und Unterhaltungsmittel ablenken lassen sollen. Die Bedienung der erfassten Geräte mit Sprachsteuerung und Vorlesefunktion bleibt zulässig, ebenso deren sekundenschnelle Nutzung. Letzteres wird m.E. in der Praxis viel Ă„rger und Verdruss bringen.
    • Angehoben worden sind die BuĂźgelder, und zwar auf 100 € fĂĽr den Kraftfahrer und auf 55 € beim Radfahrer. Bei Gefährdung und Sachbeschädigung drohen dem Kraftfahrer GeldbuĂźen von 150 € bzw. 200 € und ein einmonatiges Fahrverbot.
  • In § 23 Abs. 4 StVO ist dann jetzt vorgeschrieben, dass Autofahrer ihr Gesicht am Steuer nicht verhĂĽllen oder verdecken dĂĽrfen, um eine Identitätsfeststellung zu vereiteln.
  • Am 29.06.2017 hatte der Bundestag die EinfĂĽhrung eines Straftatbestandes § 315d StGB fĂĽr die Veranstaltung von bzw. Teilnahme an verbotenen Kraftfahrzeugrennen anstelle der bisherigen BuĂźgeldtatbestände fĂĽr Ordnungswidrigkeiten und des Fahrverbots (§ 29 StVO) beschlossen. Das hat der Bundesrat gestern abgesegnet. Damit können also demnächst illegale Autorennen auf öffentlichen StraĂźenkĂĽnftig mit Freiheitsstrafen – bei schweren Folgen von bis zu zehn Jahren – geahndet werden. Der Gesetzesantrag stammte aus dem Bundesrat (Vgl. BR-Drucks. 362/16).
  • Am 22.06.2017 hatte der Bundestag das “Gesetz zur Erweiterung der Medienöffentlichkeit in Gerichtsverfahren und zur Verbesserung der Kommunikationshilfen fĂĽr Menschen mit Sprach- und Hörbehinderungen (Gesetz ĂĽber die Erweiterung der Medienöffentlichkeit in Gerichtsverfahren – EMöGG)  – traumhafter Name – beschlossen. Das enthielt eine Ă„nderung der §§ 169, 186, 187 GVG (vgl. BT-Dreucks. 18/10144). Der Bundesrat hat auch das abgesegnet.
    • Danach sind demnächst TonĂĽbertragungen von Gerichtsverhandlungen fĂĽr Journalisten in Medienarbeitsräume möglich. Gerichtsshow live 🙂 .
    • AuĂźerdem kann die VerkĂĽndung von Entscheidungen des BGH in besonderen Fällen in Hörfunk und Fernsehen ausgestrahlt werden.
    • Zudem sind zu wissenschaftlichen und historischen Zwecken Tonaufnahmen von Verhandlungen des BVerfG zulässig sind, wenn es sich um ein zeitgeschichtlich besonders relevantes Verfahren handelt. Ob es zu der jeweiligen Ăśbertragung bzw. Aufzeichnung kommt, entscheidet das Gericht im Einzelfall. Diese Entscheidung ist nicht anfechtbar. So soll eine Verzögerung des Verfahrens ausgeschlossen werden.
    • Zulässig ist kĂĽnftig auch der Einsatz von Gebärdendolmetschern im gesamten gerichtlichen Verfahren möglich. FĂĽr die betroffenen Personen entstehen dadurch keine Kosten.
  • SchlieĂźlich ist durch das vom Bundestag am 29.06.2017 beschlossene “Gesetz zur Neuregelung des Schutzes von Geheimnissen bei der Mitwirkung Dritter an der BerufsausĂĽbung schweigepflichtiger Personen§ 203 StGB geändert worden (vgl. dazu BT-Drucks. 18/11936). Das hat der Bundesrat gebilligt. Geregelt sind in der Neufassung des § 203 StGB die Voraussetzungen, unter denen die Weitergabe und das Zugänglichmachen von Geheimnissen an mitwirkende Personen – Angestellte und externe Dienstleister – möglich ist.

Die Neuerungen mĂĽssen dann noch in Kraft treten.In der Regel ist das der Tag nach der VerkĂĽndung des Gesetzes im BGBl. Nur bei den “Gerichtsshows” ist das Inkrafttreten um sechs Monate hinausgeschoben worden.