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Du „Zigeuner“ – Beleidigung ja oder nein?

entnommen wikimedia.org Herkunft/Fotograf Palais Dorotheum, 11. Dezember 2013, Lot Nr. 232

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Herkunft/Fotograf Palais Dorotheum, 11. Dezember 2013, Lot Nr. 232

Heute soll es dann mal zwei Entscheidungen zur  Beleidigung geben, und zwar zunächst den OLG Hamm, Beschl. v. 28.04.2016 – 3 RVs 37/16. In ihm geht es um die Frage, ob (allein) die Bezeichnung einer anderen Person als „Zigeuner“ eine Beleidigung i.S. des § 185 StGB darstellt. Das hatt das AG Detmold angenommen, das OLG sieht es aber anders. Nach seiner Auffassung stellt der Begriff „Zigeuner“ im deutschsprachigen Raum grundsätzlich eine Fremdbezeichnung für eine bestimmte Bevölkerungsgruppe dar; es handelt sich nicht um einen Begriff, der allein die Bedeutung eines Schimpfwortes hat.

Nach Auffassung des OLG müssen weitere Umstände hinzukommen, nämlich „zur Feststellung, ob die Verwendung dieser Bezeichnung auch den Tatbestand des § 185 StGB erfüllen kann, u.a. Feststellungen dazu, in welchem Zusammenhang die Äußerung gefallen ist, welcher Abstammung der Geschädigte ist und weiterer Feststellungen zum Kulturkreis des Angeklagten.“

Und dazu war das AG-Urteil dem OLG „zu dünn“:

„Die seitens des Amtsgerichts vorgenommene Beweiswürdigung ist vor den oben genannten Anforderungen derart lückenhaft, dass eine dementsprechende Nachprüfung seitens des Revisionsgerichts nicht erfolgen kann.
Um eine etwaige Strafbarkeit des Angeklagten wegen Beleidigung prüfen zu können, bedürfte es u. a. Feststellungen zu folgenden Fragen:
Welche Bedeutung hat der Begriff „Zigeuner“ im Kulturkreis des Angeklagten?
War sich der Angeklagte der Bedeutung des Begriffes, insbesondere ob seiner Alkoholisierung, im hiesigen Kulturkreis hinreichend bewusst?
Welchen Gegenstand hatten die dem Ausruf vorhergehenden Streitigkeiten?
Welchem Kulturkreis entstammt der Zeuge H ursprünglich?
All diese Fragen bleiben im angefochtenen Urteil offen und ungeklärt.“

Die „Checkliste“ kann das AG dann jetzt im zweiten Durchlauf abarbeiten.

Abgelegt unter Entscheidung, StGB, Strafrecht, Urteilsgründe.

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6 Kommentare

  1. Miraculix schreibt:

    Sinti und Roma bezeichnen sich selbst voller Stolz als Zigeuner.
    Wie kann das also (ohne andere Kriterien) eine Beleidigung sein?

  2. Katharina schreibt:

    Und wie ist es zu würdigen, wenn ein bloggender Jurist (ungeklärter kultureller Herkunft) einen Artikel zur Strafbarkeit der Bezeichnung einer anderen Person als „Zigeuner“ mit einem Gemälde illustriert, das zerlumpte Nomaden zeigt?

  3. Miraculix schreibt:

    Er versucht seinen Blog etwas aufzuhübschen …

  4. Detlef Burhoff schreibt:

    @ Katharina: Machen Sie doch eine Strafanzeige wegen Beleidigung. Ihre Gut-Menschen-Kommentare gehen mir auf den Keks – und immer schön anonym, weil man das ja darf. Also: Troll dich…

  5. Dr. Marc Mewes schreibt:

    siehe auch Wilhelm Rütten, „Lustig ist das Zigeunerleben“, in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte,

  6. Anne schreibt:

    Es kommt vermutlich darauf an in welchem Kontext „Zigeuner“ steht. Wenn sich Sinti & Roma als Zigeuner sehen, dann stellt die „Eigenbeleidung“ keine Beleidung dar. Wenn ich aber Alice S. als Zigeuner betitele, so könnte hier eine Beleidung in doppelter Form vorhanden sein:
    1. weil ich einen männlichen Artikel verwendet habe
    2. weil Steuerhinterziehung eine Beleidung gegenüber Zigeuner darstellen könnte…

    Es handelt sich einzig und allein um eine Satire – mit der Betonung auf SATIRE…



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