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Einmal Strafrichter, immer Strafrichter…?

In Zusammenhang mit dem „Hitzechaos“ bei der Deutschen Bundesbahn hatte ich bei der Kollegin/meiner Freundin 🙂 Braun auf WidersprĂŒche in ihren BeitrĂ€gen und denen des Kollegen Nebgen im Hinblick auf eine RĂŒckreise aus Hessen nach HH hingewiesen. Dadurch fĂŒhlte sich die Kollegin atomisiert und zu dem Beitrag „Ich atomisier dich“ inspiriert. In dem Beitrag formuliert die Kollegin:

Der Kollege Burhoff – der Strafrichter steckt noch irgendwo in ihm – hat gerade WidersprĂŒche in den BlogbeitrĂ€gen des Kollegen Nebgen und mir herausgearbeitet und mich damit konfrontiert. Immerhin hat er nichts von „Schutzbehauptungen“ und Ähnlichem gesagt...“.

Das hat bei mir zu der Frage gefĂŒhrt: Einmal Strafrichter, immer Strafrichter…?

Und die Antwort lautet: Ich glaube ja. Denn wenn man als (ehemaliger) Strafrichter mit sich ehrlich ist, stellt man schnell fest, dass immer (noch) alles abgeklopft und hinterfragt wird, WidersprĂŒche fĂŒhren zu RĂŒckfragen usw. Das wird man, wenn man 30 Jahre Strafrecht gemacht hat, nicht mehr los. Die Kollegin Braun hat es jetzt erleiden/ertragen mĂŒssen, mein Sohn frĂŒher :-). Er hat das Abklopfen seiner Einlassungen und die seiner Freunde zu „Ereignissen“ wahrscheinlich gehasst… Und im Freundeskreis ist die StrafrichtermentalitĂ€t nicht unbedingt beliebt 🙂

Allerdings: Manchmal hat(te) es in Strafverfahren auch etwas Gutes, wenn der Richter Einlassungen und/oder Zeugenaussagen „atomisiert“. Ich habe ein paar FĂ€lle erlebt, in denen dadurch WidersprĂŒche aufgetreten sind, die selbst dem Verteidiger nicht aufgefallen waren und die dann zum Freispruch fĂŒhrten. Also: Wie immer. Jedes Ding hat zwei Seiten.

Abgelegt unter Allgemein, Verfahrensrecht.

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7 Kommentare

  1. Joe Average schreibt:

    Wenn Sie nun als RA Mandanten verteidigen, hindert die RichtermentalitĂ€t nicht auch bei der Arbeit? Hinterfragen Sie sich dann nicht öfter, ob der TĂ€ter „es auch wirklich war“, wo ein anderer Strafverteidiger eher nur darauf schaut, ob es dem Beschuldigten/Angeklagten nachgewiesen werden kann? Kann man vom neutralen Richter problemlos zum einseitigen Interessenvertreter werden?

  2. Torsten schreibt:

    30 Jahre Strafrichter? Und ich dachte immer es gilt die Regel: Strafrecht muß man nur solange machen bis man es kann. 😉

    O.K., die Regel gilt nicht fĂŒr OLG-Richter und Strafkammervorsitzende (aber fĂŒr Haft- und Ermittlungsrichter).

  3. Detlef Burhoff schreibt:

    Hallo, die Justiz macht es an sich lieber anders. HĂ€ufigerer Wechsel :-), nur: Wenn man eine Nische entdeckt hat oder alt genug geworden ist, dann kann man dem Wechsel entgehen.

  4. Detlef Burhoff schreibt:

    @ 1: ich bin ja nicht so viel forensisch tÀtig, allenfalls bei Rechtsbeschwerden und Revisionen. Man kann eben nicht nach 30 Jahren auf einmal den Schalter umlegen. Richter denken anders als RechtsanwÀlte.

  5. Alexandra Braun schreibt:

    Erstaunlich, dass Ihr Sohn noch mit Ihnen in den Urlaub fĂ€hrt. 🙂

  6. R. Tape schreibt:

    Interessant, „Richter denken…“

  7. Detlef Burhoff schreibt:

    @ 6: Manche schon, wenn auch anders als RechtsanwĂ€lte 🙂
    @ 5: Der/die eine bekommt von Papi dessen Netbook :-), der andere genießt die Vorteile einer eigenen Fewo. Alles hat seine Zeit 🙂



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