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Ein Verteidiger mutiert zum Staatsanwalt – das gibt es (aber nur) im Bundestag

© Marcito – Fotolia.com

Der Kollege Hoenig hatte in seinem Blog neulich unter der Überschrift „Kreuzberger Strafverteidiger beraten Gesetzgeber“ über die Teilnahme seines Kanzleikollegen Tobias Glienke am 12.12.2012 an der Experten-Anhörung im Bundestag zur geplanten Änderung der Kronzeugenregelung (§ 46b StGB) berichtet. Zu Recht „mit Stolz“, denn dahin kommt man ja nun nicht so schnell und es ist sicherlich eine schöne Erfahrung, an der Stelle mal geraten/geholfen zu haben.

Allerdings: Wahrscheinlich dürfte beim Kollegen Hoenig die Freude inzwischen ein wenig getrübt sein, denn: Als ich jetzt vor einigen Tagen auf der Homepage des Bundestages für meinen Beitrag „What´s new in 2013 bzw. was erwartet uns an neuen Gesetzen?“ nach den straf- und strafverfahrensrechtlichen Neuerungen 2013 gesucht habe, bin ich dabei im Textarchiv des BT auch auf die Meldung zu der Anhörung vom 12.12.2012 gestoßen (vgl. hier unter „Ja zu Änderungen an der Kronzeugenregelung„.

Und siehe da: Auf der Liste der geladenen Sachverständigen finde ich keinen Rechtsanwalt „Tobias Glienke, Berlin“, dafür aber einen „Thomas Glienke, Staatsanwaltschaft Berlin“. Den gibt es aber nicht, wie mir der Kollege Glienke auf Anfrage versichert.

Nun der Kollege wird mit der Vornamensänderung „Tobias“ wird „Thomas“ leben können, obwohl das auch schon nicht schön ist. Aber dass er nun gleich auch zum „Staatsanwalt“ mutiert bzw. von der „Staatsanwaltschaft Berlin“ kommen soll, das wird er weniger schön finden. Zumal: Da ich den Kollegen Glienke kenne (er war bei mir im FA-Kurs), wird er sich auch nicht so geäußert haben, dass die Zuhörer davon ausgehen mussten, er komme von der StA. Also Lapsus. Ok, kann immer passieren, darf und sollte aber nicht. Schon gar nicht beim „Hohen Haus“. Etwas mehr Sorgfalt wäre da sicher angebracht.

Man kann nur hoffen, dass die geplante Änderung des § 46b StGB mit mehr Sorgfalt erfolgt als der Bericht über die Expertenanhörung.

 

 

Abgelegt unter Gesetzesvorhaben, StGB, Strafrecht.

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4 Kommentare

  1. Keller schreibt:

    Na, das ist ja …. Ich bin sprachlos, empört, erschüttert. Mehr von diesen weltbewegenden Meldungen!

  2. Detlef Burhoff schreibt:

    ob es „weltbewegend“ ist, weiß ich nicht, aber es freut mich, dass Sie eben so „sprachlos, empört, erschüttert“ sind wie ich. 😉

  3. Tourix schreibt:

    Kommt vor.
    Ich wurde rund 3 Jahre lang als Frau Stadträtin tituliert.
    Dabei bin ich männlich, kein Stadtrat und wohne nicht in der betreffenden Stadt.

  4. RA Neldner schreibt:

    Klappe halten und als (Staatsanwalt) Thomas Glienke hingehen. Staatsanwälte sind noch glaubwürdiger als Polizisten, während Anwälte doch eh nur für ihre Mandanten lügen.



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