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Tödliches „Zu viel Schreiben“

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Wenn die Begründung der Aufklärungsrüge vielleicht Revisionsrecht am Hochreck ist (vgl. dazu Revisionsrecht am Hochreck – die Aufklärungsrüge?), dann ist die Begründung der Sachrüge nun sicherlich etwas, das keine besonderen Kenntnisse voraussetzen sollte. Also Basiswissen. Um so erstaunter ist man dann, wenn man im OLG Hamm, Beschl. v. 16.05.2013 – 5 RVs 36/13 – liest, wie auch das gehörig daneben gehen kann. Aber nicht, weil der Verteidiger zu wenig geschrieben hat, sondern weil es zu viel war und zwar an einer ganz gefährlichen Stelle. Der Verteidiger hatte nämlich die Beweiswürdigung angegriffen, und zwar ausschließlich. Und das ist für die Sachrüge tödlich, wenn nur eine eigene Beweiswürdigung vorgenommen wird.

„Die zulässige Erhebung der Sachrüge setzt voraus, dass die Revision zweifelsfrei erkennbar auf die Verletzung sachlichen Rechts gestützt werden soll. Beanstandet der Angeklagte in Wahrheit nicht die Rechtsanwendung, sondern greift er ausschließlich die Beweiswürdigung und damit die Richtigkeit der Urteilsfeststellungen an, führt dies zur Unzulässigkeit der Revision (vgl. nur Senatsbeschluss vom 30. April 2013 – 5 RVs 23/13 -; Meyer-Goßner, a.a.O., § 344 Rdnr. 19).

Die den Inhalt der Sachrüge kennzeichnende – zumindest schlüssige – Behauptung, dass auf den im Urteil festgestellten Sachverhalt materielles Recht falsch angewendet worden sei, ist der vorliegenden Revisionsbegründung nicht zu entnehmen. Eine derartige – schlüssige – Behauptung kann auch nicht in dem den weiteren Ausführungen vorangestellten Satz, dass die Verletzung materiellen Rechts gerügt werde, gesehen werden.

Aus der Revisionsbegründung ergibt sich ohne Zweifel, dass sich die Angriffe der Revision allein gegen die tatrichterliche Beweiswürdigung richten und der Angeklagte eine eigene Beweiswürdigung mit neuen Feststellungen an die Stelle der allein maßgeblichen Feststellungen des angefochtenen Urteils setzen will. Denn der Angeklagte begründet die von ihm geltend gemachte Verletzung materiellen Rechts ausschließlich damit, dass die Bekundungen der vom Tarichter vernommenen Zeugen den sicheren Rückschluss auf die Täterschaft des Angeklagten nicht zuließen. So habe weder der Angeklagte einen Schlag mit dem Hammer bzw. einer Rohrzange eingestanden noch habe ein einziger Zeuge bekundet, die tatsächliche Schlagausführung gesehen zu haben. Vielmehr habe sich der Zeuge L auf die Bekundung von Allgemeinplätzen zurückgezogen, die Aussage des Zeugen P sei nicht stringent gewesen. Schließlich habe der Zeuge M widersprüchliche Angaben gemacht, weshalb das Gericht auch seinen Bekundungen zu Unrecht Glauben geschenkt habe.

Mit derartigen Angriffen gegen die Beweiswürdigung und damit die Richtigkeit der Urteilsfeststellungen der Strafkammer kann der Angeklagte im Revisionsverfahren nicht gehört werden. Darüber hinaus ist weder dargelegt noch sonst ersichtlich, dass die Beweiswürdigung in sich widersprüchlich, lückenhaft oder unklar ist oder gegen Denkgesetze oder Erfahrungssätze verstößt.

Nach Maßgabe des Vorstehenden war die Revision gemäß § 349 Abs. 1 StPO mit der sich aus § 473 Abs. 1 StPO ergebenden Kostenfolge als unzulässig zu verwer­fen…“

Abgelegt unter Entscheidung, Rechtsmittelverfahren, StPO, Verfahrensrecht.

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8 Kommentare

  1. Franz Gluffke schreibt:

    Müsste nun nicht die Verfassungsbeschwerde mit der Rüge der nicht ausreichenden Gewährung rechtlichen Gehörs zielführend sein?

  2. Besitzloser schreibt:

    Wo soll denn hier die Verfassungsbeschwerde zielführend sein?

    Wer über 3 Instanzen keine ordentlichen Schriftsätze zustande kriegt, ist selber schuld.

  3. Franz Gluffke schreibt:

    @Besitzloser: Stimmt – das ist ein Argument 😉

  4. Detlef Burhoff schreibt:

    das ist nicht „ein“ Argument, sondern das ist „das“ Argument. Allerdings ist es nicht richtig, dass über drei Instanzen Fehler gemacht worden sind. Hier geht es nur um die Verfahrensrüge in der Revision.

  5. RA Sorge schreibt:

    Ich würde mich nicht trauen zu behaupten es seien in 3 Instanzen Fehler gemacht worden. Und das Problem was solche Fehler mit sich bringen: das „selber schuld“ meint den Kollegen, trifft aber letztlich dessen Mandanten. Und es soll ja Fälle geben, in denen der Mandant den Verteidiger sich nicht einmal selbst ausgesucht hat…

  6. Detlef Burhoff schreibt:

    ich gehe davon aus, dass Sie nicht mich meinen? 🙂

  7. Michael Schulze schreibt:

    Ja, Schmerz lass nach. Tatsächlich, ohne vorherigen Blick in den „Burhoff“ hätte ich keine Revision verfasst, da steht alles Wesentliche schön ausformuliert, inkl. deutliche Warnungen, die Revision nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

  8. Detlef Burhoff schreibt:

    Rot wird 🙂



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