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Peinlich – oder warum merkt das keiner?

Der LawBlog bzw. sein Aushilfsblogger 🙂 beklagen unter der Überschrift „Verletzt, aber nicht befangen“ die fehlende Sprachgenauigkeit in der Presseberichterstattung ĂŒber Gerichtsverfahren.

In der Tat ein PhĂ€nomen, dass mir auch immer wieder auffĂ€llt und das mich Ă€rgerlich macht. Da ist es fĂŒr mich nicht so sehr die schreibende Zunft, sondern eher die „Gerichtsreporter“ in Funk und Fernsehen. Ich finde es nĂ€mlich hochnotpeinlich, wenn sich zur wohl immer noch besten Sendezeit, die es im deutschen Fernsehen gibt – also Tagesschauzeit -, einer der Reporter hinstellt und seinen Bericht ĂŒber ein landgerichtliches erstinstanzliches Verfahren mit den Worten abschließt: Der Verteidiger hat mitgeteilt, dass Berufung eingelegt werden wird“ oder „Die Staatsanwaltschaft hat noch nicht entschieden, ob sie Berufung einlegen wird“.

Doch: Hat sie. Wird sie nĂ€mlich nicht, sondern sie wird Revision einlegen. Man bzw. ich frage mich dann immer: Gibt es eigentlich keine verantowrtlichen Redakteure, die sich den Bericht vorher mal anschauen und denen solche peinlichen Fehler auffallen. Schließlich zahlt man fĂŒr den Service doch auch mehr als 50 €/Monat. Und demnĂ€chst noch mehr.

Abgelegt unter StPO, Wochenspiegel.

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29 Kommentare

  1. Ö-Buff schreibt:

    Die Staatsanwaltschaft legt am LG in der ersten Instanz nie Berufung ein? Das ist aber echt sophisticated.
    Btw.: Ich rege mich auch immer wieder gern auf, wenn FachanwĂ€lte fĂŒr Verkehrsrecht den Unterschied zwischen Relativ- und Kollisionsgeschwindigkeit nicht kennen. 😉

  2. VRiLG schreibt:

    Ich neige bei solchen Fehlern immer dazu, von der QualitĂ€t der Berichterstattung bei juristischen Phönomenen auf die QualitĂ€t der Berichterstattung in allen anderen Fachgebiet (Politik, Ausland, Wirtschaft, Kultur etc.) zu schließen. Wenn dieser Schluss halbswegs valide ist, sollte man seine Zeitung eigentlich abbestellen.

  3. Detlef Burhoff schreibt:

    so hat jeder sein PĂ€ckchen zu tragen 🙂

  4. Detlef Burhoff schreibt:

    wie bestelle ich das Fernsehen ab? 🙂

  5. Ö-Buff schreibt:

    @VriLG: Ich denke, mit dem Schluss liegen sie nicht falsch!

    Btw: _Warum_ legt die STA denn am LG in der 1. Instanz keine Berufung ein? Kann sie das nicht, darf sie das nicht oder will sie einfach nicht? 🙂

  6. Detlef Burhoff schreibt:

    weil es gegen landgerichtliche Urteile (der 1. Instanz) keine Berufung gibt, sondern nur die Revision.

  7. Ö-Buff schreibt:

    Aso. Danke! Damit gibt es dann wohl auch keine neue Beweisaufnahme (womit wieder ganze Berufsgruppen ausgegrenzt werden…) 😉

    Ach, und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

  8. Detlef Burhoff schreibt:

    Hallo, nein, nur, wenn ggf. aufgehoben und zurĂŒck verwiesen wird. Revisions- und Rechtsbeschwerdeinstanz ist reine Rechtsinstanz. Das Urteil des AG/LG wird nur auf Rechtsfehler untersucht. Die Rechtsmittel haben i.d.R. auch nur Erfolg, wenn das Urteil auf diesen Fehlern beruht.
    Guten Rutsch zurĂŒck…

  9. Anno NĂŒm schreibt:

    Wieso mehr als 50,00 EUR im Monat?

  10. Detlef Burhoff schreibt:

    ups, peinlich, hat einer gemerkt. 🙂 mehr als 50 €/drei Monate 🙂

  11. Burschel schreibt:

    Zynisch gefragt:
    Gibt es zu wenige arbeitslose Juristen?
    Oder sind die arbeitslosen Juristen nicht kameratauglich?

  12. Detlef Burhoff schreibt:

    🙂 😉

  13. Paul Schramm schreibt:

    „seinen Bericht ĂŒber ein landgerichtliches erstinstanzliches Verfahren“
    War es ein zivilrechtliches Verfahren?

  14. Anno NĂŒm schreibt:

    @Burschel: Die Juristen sind wahrscheinlich arbeitslos, weil sie auch Berufung gegen das Urteil eingelegt hĂ€tten … !?

  15. Detlef Burhoff schreibt:

    @ Ano NĂŒm: Der BGh hĂ€tte es – wenn es ihm behagt 🙂 – umgedeutet.
    @Paul Schramm. Nee, war schon Strafreccht ;-.)

  16. Malte S. schreibt:

    Viele Juristen sind leider nicht in der Lage, den Spagat zwischen Umgangssprache und Fachsprache anstÀndig hinzubekommen. Und mal ehrlich, wer will einen Zeitungsartikel in der FAZ / SZ / Sueddeutsche/usw. lesen, der im Gutachten- oder Urteilsstil geschrieben ist? Von wenigen Juristen abgesehen sicherlich niemand.

    Ich fĂ€nde es z.B. schön, wenn in der juristischen Ausbildung auch ein Kurs „Deutsch fĂŒr Juristen“ Pflichtbestandteil wĂ€re. Und vielleicht auch gleich noch ein anstĂ€ndiger Rhetorikkurs.

  17. Roland Hoheisel-Gruler schreibt:

    Eigentlich ist das ja noch harmlos, wenn man bedenkt, was fĂŒr juristische Böcke auch in öffentlich-rechtlichen Produktionen geschossen werden, seien es Krimis oder hahnebĂŒchene familienrechtliche Konstellationen. Da kann man gegenĂŒber den werbefinanzierten Privaten noch direkt Mitleid mit ihren Gerichtsshows bekommen….

  18. Sebastian schreibt:

    Noch eine sprachliche Ungenauigkeit, nicht nur von Reportern, sondern auch von Juristen: „lebenslĂ€nglich“

    Es heißt „lebenslang“, „lĂ€nglich“ ist der Wurm.

  19. OG schreibt:

    Wenn Hochschullehrer fĂŒr Strafrecht nicht firm sind in Rechtsmittelfragen, dann mĂŒssen wohl Journalisten als exkulpiert angesehen werden:

    http://blog.delegibus.com/2011/06/06/kachelmann-rechtsmittel-prof-dr-monika-frommel-weis-was/

    (könnte natĂŒrlich auch sein, daß ein Journalist hier die professorale Äußerung „verbessert“ hat)

  20. Burschi schreibt:

    Und wenn das nun Absicht wĂ€re? Und zwar im Hinblick darauf, dass „Berufung“ im allgemeinen Sprachgebrauch nun einmal der generelle Begriff fĂŒr „NachprĂŒfung durch eine höhere Gerichtsinstanz“ ist, garantiert mehr als 99% der Tagesschau-Zuschauer den technischen Unterschied zwischen den Rechtsmitteln nicht kennen (und mindestens zur HĂ€lfte durch den ihnen in diesem Zusammenhang unbekannten Begriff der Revision eher verwirrt wĂŒrden) und es einer allgemeinen Vorgabe fĂŒr Nachrichten-Redaktionen entspricht, nicht zuviele Zuschauer durch ĂŒbertriebene begriffliche Korrektheit abzuschrecken? Wenn lediglich die Aussage vermittelt werden soll, dass das Urteil von einem bestimmten Prozessbeteiligten nicht akzeptiert wird, ist gegen die untechnische Verwendung des Begriffs „Berufung einlegen“ m.E. gar nichts einzuwenden.

  21. n.n. schreibt:

    @ topic

    freuen wir uns lieber, dass brauchbare strafjuristen im verhandlungssaal immer noch bessere plĂ€tze finden, als die im zuschauerbereich. 😀

    @ OG

    das ist frau frommel leider wirklich zuzutrauen. 🙁

  22. Matthias schreibt:

    Ich finde die Frage interessanter, warum es das Menschenrecht der Berufung grade in diesem Land nicht gibt.
    Vielleicht wollen die „ahnungslosen“ Redakteure durch die stĂ€dnige Wiederholöung ja genau das erreichen.

  23. Detlef Burhoff schreibt:

    @ Matthias: wieso: es gibt das Rechtsmittel der Revision
    @ burschi: gesund beten kann man alles
    @ Kollege Hoheisel-Gruler: das ist noch schlimmer, ein Beweisverwertungsvernot nach dem anderen..

  24. sagichnicht schreibt:

    Jedes mal, wenn ich als Jurist eine Pressemitteilung vorbereite und dabei sehr genau auf die richtige Verwendung der juristischen Termini achte, werde ich von der Presseabteilung korrigiert, und zwar so, dass ausgerechnet diese Termini „verumgangssprachlicht“ werden. Dabei entstehen solche Perlen, wie Berufung statt Revision oder Urtel statt Beschluss etc. Die BegrĂŒndung ist dann immer, dass die PM sich nicht zu juristisch anhören darf und die Leser eh keinen Unterschied zwischen Berufung und Revision sehen. Irgend-wann mal gibt man sich schlicht geschlagen 😉

    Das ist also doch die schreibende Zunft, die schuld ist!

    P.S. 50€/Monat war echt daneben 😉

  25. Detlef Burhoff schreibt:

    ist doch repariert 🙂 Und ich kann es nicht auf die Presseabteilung schieben 🙂

  26. Matthias schreibt:

    Eine Revision und eine Berufung unterscheiden sich doch wesentlich, oder etwa nicht?
    Das 7. Zusatzprotokoll zur MRK sieht es als ein Menschenrecht an, dass ein Angeklagter das Recht auf eine Berufung hat.

    Ein Kompromissangebot:
    Eine Revision wĂ€re dann ausreichend, wenn Verteigerhandeln oder -unterlassen zum Nachteil des Angekalgten zur Aufhebung eines Strafurteils fĂŒhren können.

    Alles andere ist Scheinrechtsstaat.

  27. RpflNiedersachsen schreibt:

    Das kommt mir bekannt vor, jedesmal wenn im Tatort der Notar die Einladung zur Testamentseröffnung verschickt und dieses dann mit bedeutungsschwerer Stimme verliest frage ich mich, ob ich die letzten Jahre was verpasst habe…

    Vllt. sind Rechtspfleger aber auch nicht kamerastauglich, so als buckliges Beamtenvolk…

  28. Detlef Burhoff schreibt:

    nur als TĂ€ter 🙂

  29. RpflNiedersachsen schreibt:

    Filmtipp: „Mord mit Schönfelder“, diesen Sonntag im ARD, 20:15 ?



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