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Jörg Kachelmann – warum eigentlich ein Interview mit dem Leiter der JVA Mannheim bei Antenne Münster?

Zum Fall Jörg Kachelmann ist ja schon einiges geschrieben und über den Ticker gelaufen. Bei den Blogs hier ist es heute sicherlich „das Thema“ (vgl. nur  Stell Dir vor es ist „Internationaler Tag der Meteorologie“ und (Jörg) „Kachelmann (ist) im Knast“ (BILD)“  oder „Verteidigung durch einen Medienrechtler„, wobei m.E. gar nicht klar ist, ob er „wirklich verteidigen will“ oder nur beigezogen ist, oder auch der Beitrag zum Leiter der JVA Mannheim „Kachelmann – „Haftgrund Vergewaltigung“ und Antrittsbesuche„.

Nachdem ich nun gerade bei Antenne Münster die aktuelle Nachrichtensendung gehört habe, frage ich mich, ob das (nicht die Blogbeiträge, sondern das Drum-Herum) wirklich sein musste: (Nochmals?) Das Interview mit dem Leiter der JVA, der haarklein beschreibt, wie groß die Zelle ist oder auch nicht, aber immerhin schon mit abgetrenntem Sanitärbereich, wie man in der JVA den Tag verbringt usw. und: Eine Vorankündigung für den morgigen Tag, an dem offenbar ein Haftprüfungstermin statt finden soll, alles schön aufbereitet, so als ob der Hörer den kleinen StPO-Schein erwerben soll. Im Übrigen: Wir füttern euch an, liebe Hörer, bleibt dran, bei uns erfahrt ihr es auch morgen aus der ersten Reihe.

Von der Unschuldsvermutung spricht kein Mensch im Radio mehr, oder: Warum eigentlich ein solches Medieninteresse bzw. warum macht man ihn kaputt. Die Mitteilung der ARD wird doch nicht mehr lange auf sich warten lassen, in der man mitteilt, dass man sich aufgrund der Vorkommnisse „im besten Einvernehmen“ getrennt hat. Was ich auch vermisse: Eine PM, dass irgendjemand aus dem JM Baden-Württemberg dem Leiter der JVA mal ganz gehörig auf die Füße getreten und einen Maulkorb verpasst hat. Aber wahrscheinlich ist es die Mischung: Promi und Vergewaltigung. Das bringt Zahlen.

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7 Kommentare

  1. Henning Ernst Mueller schreibt:

    Sehr geehrter Herr Burhoff,
    genau das habe ich mich auch gefragt. Bei den gestrigen Meldungen fiel (mir positiv) auf, dass die Staatsanwaltschaft/Polizei offenbar zunächst „dicht“ hielt und den Beschuldigtennamen nicht selber nannte. Möglicherweise um den Vorwürfen in den Fällen Benaissa und Türck zu entgehen. Und der name kommt ja trotzdem raus, irgendwie, wenn dei jagd erst eröffnet ist. Und da grätscht der JVA-Leiter aus Mannheim dazwischen und erzählt die „Homestory“, weil er auch einmal in die Öffentlichkeit will. Man wünscht sich das gute alte behördliche Arkanum zurück.
    Beste Grüße
    Henning Ernst Müller

  2. Detlef Burhoff schreibt:

    Hallo, stimme Ihnen voll zu. Fehlt nur noch, dass der der „Bunten“, der „Brigitte“ und der „Super-Illu“ oder der „Gala“ einen Fototermin verschafft. Die Zellen, aber natürlich auch: Mein Schreibtisch und ich :-(. BG, D.Burhoff

  3. dirk schreibt:

    Soweit aus der schreibenden Presse ersichtlich, hat der JVA-Leiter nur in allgemeiner Form erzählt, wie das so ist in der U-Haft. Dagegen ist kaum etwas einzuwenden – auch nicht, wenn es aus Anlass eines prominenten U-Häftlings geschieht.

  4. Detlef Burhoff schreibt:

    Hallo, wirklich nicht, wenn man damit das Medieninteresse noch weiter anheizt. Aber: Es ist Geschmackssache, und darüber lässt sich bekanntlich nicht streiten.

  5. Marko Gregor schreibt:

    Hallo,

    so allgemein waren die Angaben dann doch nicht. Wenn der Anstaltsleiter z.B. angibt, dass Herr K. mit einem weiteren Gefangenen in einer Zelle untergebracht ist, das aber wegen der Suizidgefahr bei U-Häftlingen in dieser JVA üblich sei, ist das schon speziell auf den Fall bezogen. Da gab es auch noch andere konkrete Angaben.

    Den Umgang mit Prominenten in derartigen Fällen halte ich eh für problematisch. Was da immer wieder an die Öffentlichkeit kommmt … Woher eigentlich? Ich habe aber noch nicht gehört, dass das Konsequenzen gehabt hätte. Scheint auch keinen zu interessieren.

    Auch kann ich die eine oder andere U-Haft nicht ganz nachvollziehen (z.B. im Fall Benaissa – welcher Haftgrund eigentlich), wobei ich aber natürlich die genauen Details nicht kenne.

    Die Beteiligten sollten sich klar sein bzw. werden, dass Rechtsaatlichkeit ein sehr hohes Gut ist nicht der Sensationsgier geopfert werden darf. Ein Bewusstsein, dass abhanden zu kommen scheint – wenns nur die Quote rechtfertigt.

  6. Eine kritische Jura-Laiin schreibt:

    Herr Burhoff! Ich teile Ihre Sicht der Dinge. Auch als Nicht-Juristin ist mir aufgefallen, dass das Vorgehen des JVA-Leiters nicht korrekt sein kann.

    Habe einen Volljuristen zum Thema befragt: Er erachtete es auch als nicht korrekt, dass der „JVA-Chef Romeo Schüssler“, wie er auf bild.de tituliert wird, Details über den beliebten Wetterfrosch ausplaudert; und meinte, dies sei höchstens zulässig, wenn der JVA-Leiter zuvor Rücksprache mit Kachelmanns Anwälten darüber gehalten und diese ihr O.K. hierzu gegeben hätten.

    Dass Herr Schüssler und in der Folge die Kachelmann-Anwälte dies getan haben, lässt sich bezweifeln. Schließlich hat Kachelmann beim heutigen Verlassen des Amtgerichts versucht, den Eindruck zu erwecken, ihm gehe es gut und er sei gefasst. Das Gegenteil dessen hat der JVA-Leiter offensichtlich gegenüber den Medien ausgeplaudert…:

    http://www.bild.de/BILD/news/2010/03/24/fall-joerg-kachelmann/hg-psychologen/justizvollzugsanstalt-mannheim.html

    Dieser Bericht belegt übrigens auch, dass es sich bei den Auskünften des Herrn Schüssler nicht ausschließlich um belanglose, allgemeine Auskünfte handelt, die mit dem Fall nichts zu tun haben, wie mein Vor-Poster Dirk behauptete / vermutete.

  7. Eine kritische Jura-Laiin schreibt:

    Ach ja noch etwas ist mir zum Thema „JVA-Leiter und die Medien“ eingefallen. Jörg Kachelmann hat nicht nur einem Strafrechtler das Mandat erteilt, er lässt sich auch von einem Medienanwalt (Ralf Höcker) vertreten.

    Letzter kann sich ja dann mal um den JVA-Leiter kümmern…



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